Die Weltraumfirma SpaceX von Elon Musk strebt mit einer historischen Bewertung von 1,77 Billionen Dollar an die Börse. Bei einem Ausgabepreis von 135 Dollar pro Aktie will das Unternehmen 75 Milliarden Dollar einsammeln. Kein größeres Unternehmen wagte je diesen Schritt.
Fundamentale Zweifel am Preis
Unter Finanzexperten wachsen jedoch die Zweifel an der Bewertung. Renommierte Analysten von Morningstar schätzen den fairen Wert auf lediglich 780 Milliarden Dollar; der Bewertungsexperte Aswath Damodaran beziffert ihn auf maximal 1,35 Billionen Dollar. Demnach müsste der tatsächliche Aktienpreis eher zwischen 60 und 103 Dollar liegen. Grund für die Skepsis sind die harten Zahlen: Allein im letzten Quartal verzeichnete SpaceX einen Nettoverlust von 4,3 Milliarden Dollar.
Bei einem Jahresumsatz von 18,7 Milliarden Dollar ergibt sich ein astronomisches Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von fast 100 – zum Vergleich: Nvidia liegt bei 23. Zudem warnt SpaceX im Börsenprospekt selbst vor anhaltenden Verlusten durch immense Investitionen. Goldman Sachs prognostiziert bis 2029 einen negativen Cashflow von 105 Milliarden Dollar. Umstritten ist auch die Bewertung als KI-Infrastrukturanbieter, da SpaceX hier vor allem Kapazitäten an Konkurrenten wie Anthropic vermietet, statt eigene Top-Modelle zu führen. Um Investoren dennoch zu überzeugen, verweist das Unternehmen auf ein KI-Marktpotenzial von insgesamt 26.460 Milliarden US-Dollar (ca. 26,5 Billionen).

Künstlicher Boom durch Index-Mechanik
Trotzdem gilt ein kurzfristiger Kurserfolg als sicher. Die Nachfrage übersteigt das Angebot bereits um das Dreieinhalb- bis Vierfache. Viele Anleger wetten schlicht auf den „Musk-Faktor“. Da nur fünf Prozent der Aktien frei handelbar sind, trifft diese enorme Nachfrage auf ein künstlich verknapptes Angebot. Verschärft wird dies durch Indexanbieter wie Nasdaq, die SpaceX beschleunigt aufnehmen. Passive ETFs sind dadurch gezwungen, die Aktie unabhängig vom Preis zu kaufen.
Der Moment der Wahrheit an Tag 70
Langfristig droht jedoch das Platzen einer Kursblase. Nach 70 Tagen endet schrittweise die Haltefrist (Lock-up-Periode) für Insider und Altaktionäre. Wenn diese ihre Anteile in den Markt drücken, während die Pflichtkäufe der ETFs abgeschlossen sind, wird sich die fundamentale Schwerkraft der Zahlen unweigerlich bemerkbar machen.

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