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Unter der neuen Führung von Kevin Warsh vollzieht die US-Notenbank Federal Reserve eine radikale geldpolitische Kehrtwende. Bei der jüngsten geldpolitischen Sitzung beließ die Fed die Leitzinsspanne zwar erwartungsgemäß bei 3,5 bis 3,75 Prozent, verabschiedete sich jedoch offiziell von weiteren Zinssenkungen. Stattdessen stellten die US-Währungshüter für die zweite Jahreshälfte eine konkrete Zinserhöhung in Aussicht. 

Der falkenhafte Kurs der Notenbank löste an den globalen Aktienmärkten sofortige Kursverluste aus und drückte den S&P 500 sowie den Nasdaq um jeweils gut ein Prozent ins Minus. Am Rentenmarkt spiegelte sich die Verunsicherung in einem sprunghaften Anstieg der Renditen zweijähriger US-Staatsanleihen wider, die sich in kürzester Zeit der Marke von 4,22 Prozent näherten. Gleichzeitig profitierte die US-Währung massiv von den klaren Aussichten auf straffere Zinsen: Der Euro geriet unter enormen Verkaufsdruck und stürzte auf unter 1,15 Dollar ab. 

Hauptauslöser für den Kurswechsel ist die anhaltend hohe Inflation in den USA, die im Mai mit 4,2 Prozent ein Drei-Jahres-Hoch erreichte. Begründet durch den geopolitischen Nahost-Konflikt hob die Fed ihre Inflationsprognose auf 3,6 Prozent an, während das reale Wirtschaftswachstum mit erwarteten 2,2 Prozent etwas schwächer ausfallen dürfte als bislang angenommen.

Für großes Aufsehen sorgte das unkonventionelle Verhalten des neuen Fed-Chefs: Warsh selbst enthielt sich beim offiziellen Zinsausblick, forderte jedoch die übrigen Notenbanker explizit auf, ihre Schätzungen abzugeben. Neun von 18 Mitgliedern plädierten dabei für eine baldige Erhöhung. Analysten deuten das Taktieren des Notenbankchefs, der parallel fünf Arbeitsgruppen zur Reform der Geldpolitik eingesetzt hat, als strategischen Zeitgewinn.

US-Präsident Donald Trump reagierte gespalten. Höhere Zinsen verteuern die anstehende Refinanzierung der massiven US-Staatsschulden erheblich. Dennoch stärkte er seinem Wunschkandidaten demonstrativ den Rücken und betonte, er vertraue der Führung von Warsh vollkommen. Da sich die Lage am Energiemarkt durch eine Entspannung im Iran bald stabilisieren könnte, bleibt abzuwarten, ob die Fed im kommenden Herbst die Zinskeule tatsächlich auspackt.

 

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