Die US-Staatsverschuldung gerät zunehmend außer Kontrolle. Weil Investoren angesichts hoher Inflation und ungelöster Haushaltsdefizite wachsende wirtschaftliche Risiken sehen, verlangen sie deutlich höhere Vergütungen für das Halten von Staatsanleihen.
Laufzeiten-Tricks statt echter Schuldenbremse
Um die steigenden Renditen zu drücken, greift US-Finanzminister Scott Bessent zu aggressiven Interventionen und verdreifachte das Volumen der Rückkäufe langlaufender Anleihen auf sechs Milliarden Dollar. Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen Papiere kletterte daraufhin auf fast 4,84 % – ein Anstieg, der die Finanzierungskosten weltweit verteuert und auch die Aktienkurse spürbar unter Druck setzt.
Die Wall Street reagiert jedoch betont verhalten: Da diese Käufe durch die Ausgabe neuer, kurzfristiger Papiere finanziert werden, verschiebt das Finanzministerium das Problem lediglich in die Zukunft. Analysten vergleichen diese Strategie treffend damit, eine bestehende Hypothek mit der eigenen Kreditkarte zu bezahlen.
Bessents Vorgehen offenbart eine gefährliche Politik rein kurzfristiger Reparaturen. Kostspielige Ausgabenprogramme belasten das staatliche Budget massiv, während erhoffte Einnahmen aus Zöllen weitgehend ausblieben. Zudem droht eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed die makroökonomische Lage weiter zu verschärfen. Scott Bessent hat erhebliche Mühe, die sogenannten Bond Vigilantes davon zu überzeugen, dass die wirtschaftliche Gesamtlage weniger riskant ist, als sie glauben.
Pokerspiel zwischen Ministerium und Wall Street
Der Minister setzt daher auch verstärkt auf scharfe Rhetorik. Er verglich den Finanzmarkt öffentlich mit einem Casino und warnte spekulative Anleger unmissverständlich: „Ich bin jetzt die Bank.“ Er stützt sich dabei auf einen angeblichen Informationsvorsprung, um Spekulanten gezielt abzuschrecken. An der Wall Street spekuliert man zudem über einen sogenannten „Bessent Put“ – ein aggressives Eingreifen des Staates ab einer symbolischen Renditemarke von 5 %, um einen ungeordneten Ausverkauf am Markt abzuwenden.
Bislang zeigen sich die Anleiheinvestoren jedoch wenig beeindruckt; die Renditen stiegen ungebremst weiter an. Wird Scott Bessent seinen Machtkampf mit dem Anleihemarkt gewinnen? Von der Antwort auf diese Frage hängt ein erheblicher Teil der weiteren globalen Wirtschaftsentwicklung ab.

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