Über Jahrzehnte hinweg versorgte die ultralockere Geldpolitik der Bank of Japan (BoJ) die globalen Finanzmärkte mit billiger Liquidität. Um die chronische Deflation zu bekämpfen, hielt die BoJ die Zinsen nahe null und kaufte massiv Anleihen. Diese Strategie schuf die Grundlage für den sogenannten Yen-Carry-Trade: Investoren liehen sich günstig Yen und investierten das Geld in Ländern mit höheren Renditen. Solange der Yen schwach blieb und die japanischen Zinsen niedrig waren, florierte diese Strategie.
Doch die Ära dieser Liquiditätshilfe neigt sich dem Ende zu. Die Inflation in Japan ist aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und wurde zuletzt durch den stark schwächelnden Yen, der Importe verteuert, zusätzlich befeuert.
BoJ im Fokus: Die Zinswende beschleunigt sich – Konjunkturdaten bremsen
Die BoJ hat bereits einen ersten Zinsschritt auf 0,5 Prozent vollzogen. Ökonomen erwarteten, dass die Zentralbank im Dezember 2025 einen weiteren Schritt vornehmen und die Zinsen bis 2026 auf bis zu 1,25 Prozent erhöhen könnte.
Allerdings dämpften unerwartet schwache Konsumdaten die Spekulationen über eine schnelle Zinserhöhung im Dezember. Die Ausgaben der japanischen Privathaushalte sanken im Oktober überraschend um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, während Volkswirte mit einem Anstieg gerechnet hatten. Auch gegenüber dem Vormonat gingen die Ausgaben stark zurück. Diese Daten sind ein wichtiger Indikator für die BoJ, die nun abwägen muss, ob sie die Zinsen noch in diesem Jahr anhebt oder bis zum kommenden Jahr wartet.
Trotz der schwachen Konsumdaten signalisierte der Minister für wirtschaftliche Revitalisierung, Minoru Kiuchi, keine Einwände gegen eine kurzfristige Zinserhöhung, sofern die BoJ eng mit der Regierung kommuniziert. Die Entscheidung über eine Anhebung auf 0,75 Prozent liegt nun bei BOJ-Gouverneur Kazuo Ueda und dem Vorstand.
Die Märkte haben die Wende bereits antizipiert: Die Renditen japanischer Staatsanleihen sind stark gestiegen, was darauf hindeutet, dass Investoren ihre Papiere abstoßen. Die Rendite 10-jähriger Anleihen stieg kürzlich auf besorgniserregende 1,87 Prozent.
Gefahr für den globalen Carry Trade
Steigende japanische Zinsen und die drohende Aufwertung des Yen – die Deutsche Bank prognostiziert einen Kurs von 135 Yen pro Dollar für 2026 (aktuell ca. 156) – stellen eine existenzielle Gefahr für den Carry Trade dar. Wenn Investoren gezwungen sind, diese Positionen aufzulösen, um Verluste zu begrenzen, kann dies globale Schockwellen auslösen. Ein ähnliches Ereignis im August 2024, ausgelöst durch eine überraschende Zinserhöhung der BoJ, führte bereits zu einem panikartigen Ausverkauf an den weltweiten Börsen.
Experten warnen davor, dass der Liquiditätsstrom, der unter anderem US-Staatsanleihen- und Aktienmärkte gestützt hat, versiegen könnte. Die Auflösung des Carry Trades könnte einen Kapitalabfluss aus US-Finanzanlagen und damit eine Kurswende auslösen, da die immer noch hohen Bewertungen an den Märkten anfällig für selbst kleine Impulse sind. Für Händler bedeutet dies, dass die Entwicklung der japanischen Zinsen, trotz der schwachen Konsumdaten, eine der wichtigsten Variablen für die globalen Kapitalströme und die Volatilität bleiben.

Möchten Sie von diesen wichtigen Entwicklungen profitieren? Erfahren Sie mehr über den Handel mit CFDs auf Forex und wie Sie bei steigenden oder fallenden Kursen agieren können.
Bereit, selbst aktiv zu werden? Eröffnen Sie hier Ihr Live-Konto oder üben Sie mit einem kostenlosen Demokonto.